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Diskussion zur Müllproblematik (Stand August 2008)  

...wie zerbrechlich wir sind....

 
Drei Tage Friede, Freude, Flaschendrehen- und wer räumt die Sauerei weg?


Das Wunderbare am Kommz ist doch, dass es überhaupt stattfindet. 1975 luden die verschiedenen Gruppen des damals selbstverwalteten Jugendhauses zum ersten Kommunikationsfest in den Nilkheimer Park ein:
„Das Fest soll eine Alternative zu den üblichen kommerziellen Festivals sein. (....) Das Fest soll von allen, die kommen - kommt´s alle - gemeinsam gestaltet werden. Jeder kann seine Ideen einbringen.“
Kommz Muellproblematik
   
Seit damals ist einiges an Wasser den Main hinab geflossen. Aus den Jugendlichen von damals wurden Eltern und Großeltern, eine neue Generation wuchs heran, doch das Rätsel blieb: Wie ist es möglich, dass sich in unserer vom Konsum angetriebenen Welt einige tausend Leute in einem kleinen Park vor den Toren der Stadt treffen, ihr eigenes kleines Dorf mit allem, was es so zum Leben braucht, aufstellen, drei Tage lang sich und das Leben feiern und danach wieder in alle Himmelsrichtungen verschwinden, beinahe ohne Spuren zu hinterlassen? Und das trotz (oder gerade wegen) einiger Widerstände schon seit über drei Jahrzehnten?
Die Antwort ist einfach: Die Organisatoren und Helfer aus der Kommzgruppe, die beinahe zwei Wochen des Jahres investieren, um all die Zelte und Biertheken, Kletterwände, Bühnen, Toilettenwagen, Straßenabsperrungen, Kaltwasserduschen, ….. heranzukarren und aufzubauen, können nur den Rahmen vorgeben. Die Farbe und die Bewegung, das oft beschworene, aber schwer zu fassende einzigartige Flair wird von den Menschen, die in den Park kommen, mitgebracht. Bongogetrommel die ganze Nacht, Jongleure, Zauberer, fliegende Dinosaurier, getöpferte, gemalte, geschnitzte Kunstwerke überall, leuchtende Augen, tiefschürfende Gespräche bei Sonnenaufgang, und nicht zu vergessen der Hauch von Woodstock...das Kommz lebt eben dadurch, dass Menschen ihre Träume durch die Tore des Parks tragen und ihnen ein bisschen Leben einhauchen.

Seit dem ersten Kommz 1975 war es gute Tradition: Alle Menschen, die drei Tage im Park zusammen leben und feiern wollen, können sich selbst mit Essen und Trinken versorgen. Auf dem allerersten Flugblatt von ´75 war noch zu lesen: „Bringt Euch aber auch selbst was zum Essen mit, denn wir werden kaum in der Lage sein, alle zu verpflegen.“ Mittlerweile wären wir dazu vielleicht schon in der Lage. Jedoch ist es einhellige Meinung in der Gruppe, dass es für alle Leute möglich sein sollte, zusammen das Kommz zu feiern, ob jemand nun das nötige Kleingeld mitbringt oder finanziell nicht so gut gestellt ist. Wir versuchen zwar, alle Preise so niedrig wie möglich zu halten, wer aber einige Kinder zu versorgen hat oder auf Hartz IV gestellt ist, wird doch so seine Probleme haben, sich einigermaßen ausgewogen zu ernähren (vom Trinken ganz zu schweigen, wobei es seit kurzem zumindest einen Trinkwasserbrunnen für alle gibt!).
Ganz klar: dadurch gab es schon immer Probleme. Gestandene Männer mit langen Haaren und Bart, die in jeder Hand eine volle Kiste Bier tragen konnten, waren nach drei Tagen Kommz so geschwächt und verwirrt, dass sie alles liegen und stehen ließen, um nach Hause zu kriechen und in einen langen Schlaf zu verfallen. Und der Müll blieb liegen. Da der Park aber nach jedem Fest wieder blitzblank an die Stadt zurückgegeben werden muss, fanden sich immer genug helfende Hände, die noch jede Zigarettenkippe, jede Glasscherbe und jede verwelkte Blume aufsammelten.

Sicher wird es Leute geben, die so ein Ereignis zum kollektiven Ausflippen missbrauchen wollen und die sich drei Tage lang den Kopf mit Bier und sonst was zuhauen, um den Katzenjammer ihrer Existenz zu vergessen. Wir sollten aber nicht „vergessen“, sondern uns im Gegenteil etwas einfallen lassen, wie wir unsere Freiheit wieder finden, uns freuen und Kraft zum Weiterkämpfen schöpfen können. (Aus: Frischluft 1980 zum 5. Kommz)

Gerade im letzten Jahr stießen aber auch wir, die wir durchaus schon einiges (aber offenbar noch nicht alles) gesehen, gerochen und in Händen gehalten hatten, an eine Grenze. Seit einigen Jahren wird es scheinbar schlimmer. Dabei ist es nicht nur die schiere Menge des Mülls, der während und nach dem Fest anfällt. Mehr noch scheint sich unter einem größer werdenden Teil der Besucher eine sonderbare Einstellung breit gemacht zu haben: eine All- Inclusive Haltung, gepaart mit Desinteresse, Null- Bock– Attitude und einer gewissen Resistenz gegen Appelle.

Tinosche, schrieb am: 2007-08-20 17:48:51
Ich fand es Kommz dieses jahr wieder sau stark. Es waren zwar dieses jahr auch viele komische Leute da, die wie ich meine sich nicht benehmen konnten. Und wegen des mülls, wenn jeder der da gewesen war nur einmal wenigstens da wo sein zelt stand ordnung gehalten hat wäre es bestimmt nicht so müllig geendet. Ich habs ja schon alleine an den leuten die neber uns gezeltet haben gesehen, alles voller müll des war sogar für uns schon sau ecklig anzusehen und pinzig sind wir eigentlich ma überhauptnicht. (www.kommz.de – Gästebuch)


Die Mittelchen und Tricks, die sich die Kommzgruppe im Laufe der Jahre zugelegt hat (gemeinsame Aufräumaktion Sa. / So., Einzelgespräche mit besonders Unmotivierten, Bier gegen Müll – Spielchen...) scheinen nicht mehr auszureichen. Die Aufräumaktion nach dem Fest wird auch zu heftig und manch eine/r stößt dabei an seine Grenzen:

Wer sich schon mal nach zwei Tagen Regen beim Versuch, eine festsitzende Glasscherbe aus der Wiese zu klauben geschnitten hat (und wenn dann genau in dem Moment, in dem sich das Blut unter dem übel versyphten Einweggummihandschuh mit neuartigen, ausgehungerten Bakterienstämmen vermischt, sich auch noch die Hutkrempe unter der Last des Niederschlags darniederbeugt und der Regen den Nacken hinabläuft), ertappt sich dann doch schon mal beim Stellen der Sinnfrage: „wer bin ich, wo bin ich, bin ich hier richtig?“ Zum Glück waren die kranken Schwestern nicht weit und hatten genug Jod, Sprühverband und eine große Tasse Gute -Laune -Tee samt tröstender Worte dabei.

Da aber bekanntlich alles erst vorbei ist, wenn’s denn auch wirklich vorbei ist, sollte es noch knappe zwei Tage bis Freitag Nachmittag dauern, bis auch der letzte Zigarettenstummel aufgesammelt, die letzte zerbrochene Bierflasche aufgelesen und der letzte Müllsack zugeknotet war. Zumindest passte das Wetter letzes Jahr hervorragend zur Stimmung unter dem letzten Häuflein Aufrechter (die bessere Bezeichnung wäre wohl Gebeugter, wer einmal eine Müllkette mitgelaufen ist, weiß sicher, was gemeint ist…) , denn seit Dienstag hatte es nicht wirklich aufgehört zu regnen. (Und wie es so geht, war es dann immer noch nicht vorbei, denn die Gartenbaufraktion hatte zwei Wochen später noch einen kleinen Einsatz, um dem Park den letzten Feinschliff zu verpassen, umgezackerten ehemaligen Rasen wieder einzusäen, Wege zu schottern…)

...und es mag scheinen, dass jede zerbrochene, achtlos weggeworfene Bierflasche bedeutet: wie zerbrechlich wir und unsere Träume und Wünsche doch sind....

Soweit genug gejammert. Es muss sich etwas ändern. Es wird sich etwas ändern.

Die vielen Rückmeldungen im Kommz- Gästebuch haben uns in der verregneten Zeit nach dem letzten Fest Mut gemacht und gezeigt, dass es einige von Euch da draußen gibt, die sich Gedanken machen und den gleichen Traum teilen.

Helft uns dabei, gescheite Möglichkeiten zu finden, um dieses Problem zu lösen. Wir sind zwar auch schon seit Dezember dabei, uns etwas einfallen zu lassen, aber womöglich haben wir dabei etwas Wesentliches übersehen. Und – Eure Ideen, Meinungen, Befürchtungen und Hoffnungen sind uns wichtig (klingt ein bissel wie aus der Werbung, stimmt aber!), redet mit uns!
Sendet uns hier eine Elektropost oder schreibt uns eine Schneckenpost an
Freundeskreis für Kultur e.V. , Postfach , A-Burg.
Ihr könnt natürlich auch ein Bild malen, einen Video drehen, einen Roman schreiben oder eine Skulptur schnitzen, was immer Euch einfällt.

Bis zum nächsten Fest ist es nicht mehr lang, bis dahin wünschen wir Euch viel Sonnenschein im grauen Alltag

Liebe und Friede

Die Kommz Gruppe